Seit vielen Jahren begleitet mich die Sahara. Vor vierzehn Jahren durfte ich meine Leidenschaft zum Beruf machen und biete seither Kameltrekkings in Tunesien für kleine Gruppen an. Zusammen mit meiner Lebenspartnerin begleite ich unsere Gäste während der ganzen Reise. Wir sind nicht nur Organisatoren, sondern Wegbegleiter, Betreuer und Vermittler zwischen zwei Kulturen. Da ich Arabisch, Deutsch und Französisch spreche, entstehen oft herzliche Begegnungen mit unseren Nomadenfreunden, die weit über eine gewöhnliche Reise hinausgehen.Trotz meiner langjährigen Erfahrung war dieses Kameltrekking in Tunesien für mich etwas ganz Besonderes. Zum ersten Mal begleitete mich mein dreissigjähriger Sohn auf einer längeren Wanderung durch die Sahara. 


Oft hatte ich ihm von dieser faszinierenden Landschaft erzählt, von den Menschen, den Kamelen und den stillen Nächten unter dem Sternenhimmel. Nun konnte er all dies selbst erleben. Es war schön zu beobachten, wie er die Wüste für sich entdeckte. Für mich waren die Dünen, die Kamele und das gemächliche Tempo vertraut. Mein Sohn hingegen betrachtete alles mit neugierigen Augen. Die Stille der Sahara, die ständig wechselnden Farben des Sandes und die unendliche Weite beeindruckten ihn von Tag zu Tag mehr. Wir waren in einer warmen Jahreszeit unterwegs, weshalb wir häufiger als gewöhnlich auf Skorpione und Schlangen trafen. Solche Begegnungen gehören zur Sahara und überraschen viele Menschen. Mein Sohn begegnete diesen Tieren zunächst mit einer gewissen Skepsis. Ich konnte ihn jedoch beruhigen, denn aus meiner Erfahrung weiss ich, dass Angst kein guter Begleiter in der Wüste ist. Respekt vor der Natur und ihren Bewohnern ist viel wichtiger. Wer aufmerksam unterwegs ist und die einfachen Regeln der Sahara beachtet, wird ihre Tierwelt als selbstverständlichen Teil dieser einzigartigen Landschaft erleben. Schon nach wenigen Tagen hatte sich unser Alltag völlig verändert. Wir standen mit der Sonne auf, begleiteten die Kamele durch die Dünen und genossen die einfachen Mahlzeiten, die unsere Chaméliers (Kamelführer) zubereiteten. Mittags suchten wir den Schatten einer Akazie oder im Zelt, und abends sassen wir gemeinsam am Feuer. Es gab keine Termine und keine Eile. 


Stattdessen blieb Zeit für Gespräche, die im Alltag oft zu kurz kommen. Besonders gefreut hat mich, dass mein Sohn schnell einen guten Kontakt zu unseren Begleitern fand. Seine guten Arabischkenntnisse halfen ihm dabei. Dank der gemeinsamen Zeit und der Gespräche mit den Nomaden lernte er nicht nur die Landschaft, sondern auch die Kultur Südtunesiens besser kennen. Für mich gehört genau das zu einem authentischen Kameltrekking in Tunesien. Die Sahara besteht nicht nur aus Dünen und Kamelen. Es sind die Menschen, ihre Gastfreundschaft und ihre Lebensweise, die diese Reisen so besonders machen. Nach vierzehn  Jahren in der Sahara habe ich gelernt, dass jede Reise anders ist. Die Landschaft verändert sich ständig, die Lichtstimmungen sind jeden Tag neu und jede Gruppe bringt ihre eigene Dynamik mit. Doch eines bleibt immer gleich: Die Wüste entschleunigt. Sie schenkt Ruhe und lässt uns die einfachen Dinge wieder schätzen.

Als wir die Sahara verliessen, fragte mich mein Sohn, ob dies seine letzte Reise in die Wüste gewesen sei. Ich antwortete nur: «Wer weiss?» Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass die Sahara einen nicht so schnell loslässt.